Warum Privatpatienten bevorzugt werden: Der Medikamentenregress in der GKV
11.04.2024
Als Privatpatient genießen Sie oft eine bevorzugte Behandlung gegenüber gesetzlich Versicherten. Ein Grund dafür dürfte auch der Medikamentenregress in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sein, der dazu führt, dass Ärzte bei der Verschreibung von Medikamenten zunehmend vorsichtig sind. Was steckt dahinter?
Das Wirtschaftlichkeitsgebot in der GKV
Jeder Vertragsarzt ist gesetzlich dazu verpflichtet, wirtschaftlich zu handeln. Das bedeutet, dass die von ihnen erbrachten und verordneten Leistungen (wie Behandlungen oder Rezepte) ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen, und nicht über das notwendige Maß hinausgehen sollten ( § 12 SGB V). Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Budgets eingeführt.
Wenn eine Plausibilitätsprüfung bei den Abrechnungen des Arztes den Verdacht nahelegt, dass ein Arzt seine Leistungen in einem unwirtschaftlichen Ausmaß erbracht hat, kann die Krankenkasse die Einleitung eines Wirtschaftlichkeitsprüfverfahrens beantragen.
Die Wirtschaftlichkeitsprüfung bezieht sich dabei auch auf die Art und Menge der verordneten Medikamente und Heilmittel.
Der Medikamentenregress: Eine Belastung für Ärzte
Verstöße gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot können zu Nachforderungen (Regress) oder Honorarkürzungen führen.
Konkret bedeutet das: Kommt die Krankenkasse im Rahmen ihrer Wirtschaftlichkeitsprüfung zum Ergebnis, dass ein Arzt unwirtschaftlich gehandelt hat, hat er die der Krankenkasse entstandenen Kosten zu ersetzen. Dieser Druck führt dazu, dass Ärzte bei der Verschreibung von Medikamenten zurückhaltender werden, um mögliche finanzielle Belastungen zu vermeiden.
Vorteil für privat Versicherte
Da bei Privatpatienten diese Gefahr nicht droht, haben Ärzte bei der Behandlung von Privatpatienten mehr Freiheit und Flexibilität bei der Auswahl von Medikamenten. Dadurch erhalten Privatpatienten oft Zugang zu neueren, teureren oder alternativen Medikamenten, die möglicherweise nicht für gesetzlich Versicherte verfügbar sind oder aufgrund des wirtschaftlichen Drucks vom Arzt nicht verschrieben werden können.
Die Auswirkungen auf gesetzlich Versicherte
Für gesetzlich Versicherte kann der Medikamentenregress zu einer Einschränkung der Auswahl und Qualität von Medikamenten führen. Sie haben möglicherweise keinen Zugang zu bestimmten Behandlungsoptionen oder müssen auf weniger wirksame Medikamente zurückgreifen, da Ärzte vorsichtiger bei der Verschreibung teurer Medikamente sind.
Die Rolle der privaten Krankenversicherung
Angesichts dieser Ungleichheit entscheiden sich viele Menschen für eine private Krankenversicherung, um von einer umfassenderen medizinischen Versorgung und mehr Auswahl bei der Behandlung zu profitieren. Privatpatienten können sicher sein, dass ihre medizinischen Bedürfnisse im Vordergrund stehen, ohne Einschränkungen aufgrund finanzieller Überlegungen.
Zusammenfassung
Die Gefahr des Regresses in der GKV führt dazu, dass Ärzte bei der Verschreibung von Medikamenten vorsichtiger werden und gesetzlich Versicherte möglicherweise Zugang zu weniger wirksamen Behandlungsoptionen haben.
Auch wird der Beruf des Kassenarztes durch die stete Gefahr einer Wirtschaftlichkeitsprüfung und dem damit verbundenen Aufwand für den Arzt sicher nicht attraktiver.
Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum man als privat Versicherter in einer Arztpraxis ein gern gesehener Patient sind und sich Menschen für eine private Krankenversicherung entscheiden.